
~ Nimmerland ~ oder Wie kommt man zu einem Schiff?
Prolog Fünf Uhr: Ich sitze mit meiner ersten Tasse Tee auf dem Vorschiff, höre das Singen der Vögel und schaue der Sonne beim Aufgehen zu. Zwölf Uhr: Erna, unsere Hausente watschelt über das Deck und ahnt nicht, dass ich eine ihrer Artgenossen auf dem Grill habe. Gebe ihr zur Beruhigung meines Gewissens noch eine halbe Scheibe Brot. 16 Uhr: Sitze am Computer und schaue immer wieder durch das Fenster den vorbei fahrenden Booten zu. 20 Uhr: Sitze mit meiner Süßen bei einem Gin Tonic an Deck, schnipse eine Mücke von meinem Arm ins Wasser und verhelfe ihr so zu einer See Bestattung.
Wie kommt man zu einem Schiff? Meist wie die Jungfrau zum Kinde. Nachdem wir eine Menge Erfahrungen als Mieter, mal gute und auch mal schlechte, gemacht haben, wollten wir etwas eigenes. Aber schnell kam die Erkenntnis, dass ein Haus in Hamburg unsere Möglichkeiten bei weitem übersteigen würde. Eine Eigentumswohnung wollten wir nicht und alles bezahlbare war zu weit weg. Wir wollten nicht jeden Tag nach Hamburg pendeln. Wir wollten überhaupt nicht aus Hamburg weg. Damit war der Gedanke an ein eigenes Haus erst einmal auf Eis gelegt. Einige Zeit später sahen wir auf dem NDR eine Sendung über Hausbootbewohner im Hamburger Spreehafen. Später lernten wir die meisten auch persönlich kennen. Nach vorsichtigem gegenseitigen abtasten und der Frage, ob es sich der Partner überhaupt vorstellen könnte, auf dem Wasser zu leben, reifte dieser Gedanke langsam heran. Es machte nicht klick. Es war eher wie ein Virus, der sich langsam aber stetig in uns ausbreitete. Was es bedeutete, auf dem Wasser zu leben und vor allem, wie es sich anfühlte, dieses Leben auf dem Wasser, wussten wir noch nicht. Nachdem wir uns dann einig waren, das es ein Hausboot sein sollte, stellte sich die Fragen: Wo bekommen wir das Schiff her? Was kostet es? Was kommt alles auf uns zu? Es sollte natürlich groß genug sein, dass man zu zweit darauf leben kann und zu teuer durfte es auch nicht sein... und so begaben wir uns auf die Suche... ~Wo findet man ein Hausboot? ~ Also erst einmal den Computer an geschmissen und ins Internet geschaut und fleißig gegoogelt. Nach mindestens zweihundert Seiten und noch mehr tollen Schiffen ( ab 100.000 € aufwärts, Liegeplatz in Holland, Frankreich, Spanien...), stellten wir fest, dass dieses nicht der richtige Weg war. Noch war es eine fixe Idee, aber dennoch eine, die uns nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. So fuhr ich eines Tage zu einem Freund und erzählte ihm, dass wir dem Land ade` sagen wollten und unser Entschluss fest stand, ein Hausboot zu kaufen. Wenige Tage später schickte er mir eine Mail mit einer Annonce aus dem Hamburger Abendblatt, in der ein Hausboot zum Verkauf stand. Wir riefen unter der angegebenen Telefonnummer an und trafen uns kurze Zeit später mit dem Besitzer am inserierten Schiff, welches sich leider als schwimmendes Sieb heraus stellte. Aber dennoch, es war unser Glück, das wir uns das Schiff angeschaut hatten. Denn durch diese Annonce kamen wir zum Spreehafen und zu den Leuten auf dem Wasser (Hallo Gö!). Als wir wieder von dem Schiff runter geklettert waren und der Eigner fort war, standen wir ernüchtert am Ufer. Das Schiff war nicht nur alt, es war völlig ungeeignet. Es war viel zu groß, der Aufbau zerfiel schon, der Rumpf war nicht mehr dicht und wie sich später herausstellte, sank es drei Jahre später, weil der Rumpf einfach rott war. 
Als wir dann so ernüchtert oben am Ufer standen, sah ich unten auf einem kleinen Hausboot einen Mann mit seinem Sohn warm eingepackt, Holz hacken und grillen. Ich dachte mir, wenn man Informationen braucht, warum nicht gleich von der Quelle? Und so lernten wir Gö kennen. Er lud uns auf seine ehemalige Taucherpram ein und bei Tee lies er unsere unzähligen Fragen über sich ergehen, die er mit einer Engelsgeduld beantwortete. Gö sagte uns auch, worauf wir achten müssen. Die Rumpfqualität, das Schwimmfähigkeitszeugnis und für Hamburg ganz wichtig: es muss einen Liegeplatz haben. Mit neuem Wissen ausgestattet fuhren wir zur nächsten Tankstelle und kauften alle Zeitschriften, auf denen ein Schiff oder ein Anker abgebildet war. Nach dem Studiums aller Wassersportzeitschriften, der Avis und den Wochenblättern, schauten wir uns die ersten Schiffe an. Entweder waren sie sehr groß und teuer oder sie gingen schon beim ansehen unter. Geholfen hat es uns sehr, mit anderen Hausboot Besitzern zu reden, denn von ihnen haben wir viele nützliche Tipps bekommen, worauf wir achten müssen, wenn wir uns ein Schiff anschauen... Nach insgesamt zwei Monaten intensiver Suche haben wir dann unsere Nimmerland im Hamburger-Hafen gefunden! ~Unser Schiff~ 
Unser Schiff ist eine Hamburger Schute, welches eine Werkstattschute war, von 25m Länge und wurde ca. 1928 gebaut. Ein genaues Datum gibt es nicht aber da der Rumpf genietet ist und es diese Technik nur bis in den Anfang der 50er gab, kommt es in etwa mit dem Baujahr hin. Der erste Blick auf das Schiff war ein wenig ernüchternd.... aber wir bekamen den Tipp, dass der Aufbau zwar mau ist, der Rumpf aber in einem sehr guten Zustand sei (Dank an Jörg !) und es für das Schiff ein Schwimmfähigkeits-Attest gibt, was mit einer der wichtigsten Kriterien für den Kauf ist. Ein großes Dankeschön noch an die früheren Besitzer, die uns zwar beim Kauf übers Ohr gehauen haben. aber uns mit Rat und Tat immer beiseite standen und an Andre`, der immer eine gute Quelle ist, wenn es um das Thema Holz geht. Nach dem wir uns das Schiff mehrmals angeschaut haben, war der Kauf nach kurzen Verhandlungen besiegelt. Nun war die Nimmerland unser. Wir saßen auf unserem neu erworbenen Schiff und konnten es erst einmal gar nicht richtig begreifen, das es nun uns gehört und das unsere Zukunft sich nun radikal verändern würde. Und dann ging die Planung für den Umbau los, denn wir wollten unser Schiff nach unseren Wünschen ausbauen und einrichten...... Außerdem fehlten noch so "unbedeutende Kleinigkeiten" wie Wasser, Strom, Heizung, Isolierung und so einiges mehr.... Um so tiefer wir in das Innere unseres neuen Schiffes tauchten, um so mehr stellten wir fest, dass sehr viel Arbeit auf uns wartet. |